Neapel ist eine Stadt voller Kontraste, und die Meinungen darüber gehen genauso auseinander. Entweder verliebst du dich unwiderruflich in den chaotischen Charme oder du hasst die rauen, ungeschliffenen Neapolitaner. Tatsache ist, dass Neapel eine wunderschöne Altstadt hat. Dort genießt du historische Architektur, Kunst und Ausgrabungen aus der römischen und griechischen Antike und natürlich das köstliche Essen. Sonnendurchflutete Terrassen blicken auf die Bucht von Neapel, mit dem bedrohlichen Vesuv im Hintergrund. Da hast du schon wieder diesen Gegensatz, der Neapel so prägt. Besuche das mittelalterliche Castel Nuovo, die Katakomben von San Gennaro, bewundere die U-Bahn-Stationen, die selbst Kunstwerke sind, und schlendere über die Promenade Lungomare.
Neapel ist ein toller Ausgangspunkt für einen Roadtrip, da es den größten Flughafen Süditaliens mit einem großen Angebot an Mietwagen hat. Um die Stadt selbst zu erkunden, musst du kein Auto mieten, aber um Sehenswürdigkeiten in der Umgebung zu besuchen, ist es doch praktisch, ein eigenes Fahrzeug zu haben. Auch in der Stadt gibt es genügend Möglichkeiten, ein Auto zu mieten, zum Beispiel am Bahnhof Napoli Centrale.
Im Folgenden beschreiben wir eine Rundreise durch die Regionen Kampanien, Basilikata und Kalabrien. Diese Gegend gehört zu den am wenigsten entdeckten, schönsten und authentischsten Regionen Italiens. Eigentlich solltest du so schnell wie möglich ein Auto mieten, um dorthin zu fahren, bevor Massen von Touristen sie entdecken. Die Rundreise führt unter anderem nach Lamezio Terme, das über einen internationalen Flughafen verfügt. Du kannst den Roadtrip also auch dort starten.
Du hast bestimmt schon mal von der Via Appia gehört, einer der wichtigsten Straßen im Römischen Reich, die Rom mit Brindisi verband. Diese Straße verlief nördlich von Neapel durch das heutige Caserta. Dort kannst du den ehemaligen Königspalast Reggia di Caserta bewundern, der es mit dem Schloss in Versailles aufnehmen kann.
Die Strada Statale 7 folgt dem ursprünglichen Verlauf der Via Appia nach Benevento, etwa sechzig Kilometer nordöstlich von Neapel. In der Stadt selbst verläuft die moderne SS7 an der Südseite entlang, aber einen Teil der ursprünglichen Straße kannst du noch sehen: die Ponte Leproso über den Fluss Sabato. An der Nordseite von Benevento steht einer der am besten erhaltenen römischen Triumphbögen. Dieser Arco di Traiano wurde zu Ehren von Kaiser Trajan erbaut, der eine kürzere Straße nach Brindisi anlegen ließ. Das römische Theater in der Stadt wird noch regelmäßig für Aufführungen und Festivals genutzt. Aus späterer Zeit stammt die Chiesa Santa Sofia aus dem 8. Jahrhundert, eine kleinere Nachbildung der Hagia Sophia in Istanbul. Die Kirche ist mit wunderschönen Fresken geschmückt.
Von Benevento aus sind es mit dem Mietwagen etwa zwei Stunden Fahrt nach Venosa. Mach kurz vor diesem Ort einen Abstecher zu den beiden Vulkanseen von Monticchio, die mitten in einer wilden und unberührten Landschaft liegen. Den kleineren See (Lago Piccolo) kannst du mit Tretbooten erkunden, der große See (Lago Grande) ist schwer zugänglich. Von den Rad- und Wanderwegen in der Umgebung hast du jedoch einen schönen Blick darauf, ebenso wie auf die Benediktinerabtei San Michele, die an die ehemalige Kraterwand gebaut wurde. Du kannst nicht nur die Abtei und die in den Fels gehauene Kapelle besichtigen, sondern auch das dort untergebrachte Naturkundemuseum.
Das gemütliche Städtchen Venosa ist ein lohnender Zwischenstopp auf diesem Roadtrip mit dem Mietwagen durch Süditalien. Der gemütliche kleine Platz mit Terrassen im Zentrum wird vom Castello Aragonese aus dem 15. Jahrhundert dominiert, in dem sich das Archäologische Museum befindet. Dieses Museum zeigt unter anderem Funde von Tieren und Gebrauchsgegenständen, die zwischen 300.000 und 600.000 Jahre alt sind und in der Nähe von Venosa entdeckt wurden. Nordöstlich der Stadt kannst du die Überreste des römischen Venusia sehen. Das Straßennetz ist gut erkennbar, und zu den Gebäuden, die dort einst standen, gibt es anschauliche Erklärungen auf Schildern mit Lageplänen.
Wenn du farbenfrohe Fresken magst, solltest du auf dem Weg nach Venosa einen Zwischenstopp in Ripacandida einlegen, das an sich schon ein hübsches altes Dorf ist. Das Juwel dieses Dorfes ist das Santuario di San Donato. Von außen eine schlichte romanische Kirche, aber die Gewölbedecke im Inneren ist mit atemberaubenden Fresken aus dem 16. Jahrhundert verziert.
Du hast bestimmt schon mal von den sogenannten Sassi (Höhlenwohnungen) in Matera gehört. Diese kleine Stadt wird mittlerweile von Touristen überrannt. Viel weniger bekannt sind die Palmenti in Pietragalla, fünfzig Autokilometer südlich von Venosa. Die kleinen, höhlenartigen Häuschen, die mit Gras bedeckt sind, sehen fast aus wie Behausungen für Hobbits. Aber sie wurden nie bewohnt, sondern dienten der Weinherstellung. Im Inneren verfügt jedes „Palmento“ über eine Mulde zum Stampfen der Trauben und eine größere, tiefere Mulde für die Gärung. Du findest diese Weinhöhlen auf der Ostseite von Pietragalla, direkt an der SS169.
Bisher waren die Höhenunterschiede auf diesem Roadtrip nicht besonders groß, aber das ändert sich, wenn du über Potenza zu den Piccolo Dolomiti Lucane fährst. Diese zerklüfteten und steilen Berge heißen so, weil sie den Dolomiten im Norden Italiens ähneln. Der erste Teil der Strecke über die SS407 hat noch nicht viele Kurven, aber sobald du nach Castelmezzano abbiegst, ändert sich das. Du kannst deinen Mietwagen direkt außerhalb des Dorfes an der SP13 gegen Gebühr parken. Die pastellfarbenen Häuser scheinen an den steilen Felswänden festzukleben und blicken auf eine tiefe Schlucht hinab. Etwas außerhalb des Dorfes gibt es Klettersteige entlang steiler Felswände mit Hängebrücken dazwischen. Du kannst auch wie ein Engel fliegen – mit der Seilbahn „Il Volo dell’Angelo“ zwischen Castelmezzano und dem Dorf auf der anderen Seite der Schlucht, Pietrapertosa.
Man hat das Gefühl, das Dorf liege nur einen Steinwurf entfernt, aber es sind doch noch etwa zehn Kilometer Fahrt auf einer Straße mit unglaublich vielen Haarnadelkurven. Es versteht sich von selbst, dass die Aussicht unterwegs fantastisch ist. Es ist schön, wenn ihr euch hier beim Autofahren abwechseln könnt. Denkt also daran, bei der Buchung eures Mietwagens einen zusätzlichen Fahrer anzugeben. Pietrapertosa liegt auf 1088 Metern Höhe und ist damit das höchstgelegene Dorf in der Basilikata. Der Name bedeutet „durchlöcherter Stein“ und spielt auf die dramatische Lage an, umgeben von schroffen Felsen. Auch hier musst du den Mietwagen außerhalb des Dorfes auf einem kostenpflichtigen Parkplatz abstellen. Achte darauf, dass du ein paar Euro-Münzen dabei hast, denn obwohl die Parkuhren auch für Kreditkartenzahlungen ausgerüstet sind, funktioniert diese Funktion nicht immer. Im Dorf ist es ein ziemlicher Aufstieg zum Castello Normanno-Svevo, aber du wirst mit der schönsten Aussicht belohnt.
Wenn du Zeit hast, solltest du eine Nacht in einem dieser beiden Dörfer verbringen, denn abends werden die Bergwände wunderschön beleuchtet. Möchtest du von hier aus weiter nach Osten, zu Orten wie Gravina in Puglia, Matera oder Bari an der Adria? Dann empfehlen wir dir, unseren Blog über die 11 schönsten Reiseziele in Süditalien zu lesen, der sich vor allem auf die Region Apulien konzentriert.
Fahre zurück zur SS407 und folge den Schildern Richtung Metaponto. Biege nach gut fünfzig Kilometern nach Pisticci ab und fahre dann weiter Richtung Craco Peschiera. Ganz in der Nähe dieses modernen Craco liegt das Dorf, das in den 60er- und 70er-Jahren nach einem Erdrutsch verlassen wurde. Dieses Geisterdorf ist nur mit einem Mietwagen zu erreichen. Wenn es vor dir auftaucht, während du bergauf fährst, verstehst du, warum es als Kulisse für viele Filme diente, darunter den James-Bond-Film „Quantum of Solace“. Heute präsentiert sich Craco Vecchia als eine „Stadt, die in der Zeit stehen geblieben ist“. Das Museo Emozionale im ehemaligen Kloster beleuchtet die Geschichte des Dorfes, und vom Dach aus hast du einen guten Blick auf die Ruinen.
Fahre von Craco aus Richtung Süden und nimm dann die SS598 nach Westen. Dort triffst du auf die Badlands, eine erodierte Ödnis mit ganz besonderen Formen. Die Schluchten und Rinnen (Calanchi) sind durch fließendes Regenwasser entstanden.
Der „Stiefel Italiens“ ist von Meeren umgeben, und auf diesem Roadtrip hast du bisher noch keines davon besucht. Um das zu ändern, fährst du Richtung Policoro und anschließend entlang der Küste des Ionischen Meeres nach Roseto Capo Spulico. Dabei überquerst du die Grenze zwischen der Basilikata und Kalabrien. Der Name des Ortes bezieht sich auf den Rosenanbau zu der Zeit, als hier die mächtige griechische Stadt Sybaris lag. Die Einwohner galten als dekadent, und der Überlieferung zufolge ließen wohlhabende Damen ihre Matratzen mit Rosenblättern füllen.
Neben der Küstenstraße zieht eine Burg auf einem Felsen direkt am Meer die Blicke auf sich. Sie wurde im 13. Jahrhundert vom Heiligen Römischen Kaiser Friedrich II. erbaut. Es ist ein robustes Bauwerk, und die riesigen Räume sind mit dekorativen Speeren und Kronleuchtern geschmückt. Von den Schlossfenstern aus hast du einen herrlichen Blick auf das Meer und den Strand direkt unterhalb des Felsens. Der Strand ist ziemlich steinig und fällt steil ab, aber mit dem Castello Federiciano im Hintergrund ist es ein magischer Ort. Im Schloss gibt es ein Restaurant, und von der Außenterrasse aus kannst du die Aussicht ebenfalls genießen. Nicht gerade günstig, aber sehr romantisch ist eine Übernachtung in der Suite im obersten Stockwerk des Schlosses.
Westlich von Roseto liegt der größte Nationalpark Italiens und eine der letzten großen Wildnisse Europas. Der Parco Nazionale del Pollino umfasst fast zweitausend Quadratkilometer und hat Berggipfel von über zweitausend Metern Höhe. Es ist dort auffallend grün, was man im tiefen Süden Italiens vielleicht nicht erwarten würde. Neben einer wunderschönen Landschaft stößt man überall in der Gegend auf authentische Dörfer und alte Burgen. Es gibt eine riesige Auswahl an Routen, und die verschiedenen Besucherzentren bieten detaillierte Karten, die dir den Weg weisen. Betrachte die Route, der wir folgen, einfach als Beispiel.
Von Roseta aus fährst du über die Küstenstraße SS106 und die SP263 in weniger als einer Stunde zum albanischen Dörfchen Civita. Albaner in Italien? Ja, hier leben Nachfahren von Menschen, die im 15. Jahrhundert aus Albanien flohen, als die Osmanen das Land eroberten. Bis heute ist die albanische Kultur allgegenwärtig, wie zum Beispiel an den Fassaden der sogenannten Kodra-Häuser. Diese ähneln einem Gesicht und wurden vom albanischen Künstler Ibrahim Kodra verewigt. Civita liegt hoch über der Schlucht Gole del Raganello. Die majestätischen, steilen Kalksteinwände beherbergen eine reiche Flora und Fauna, von Füchsen und Mardern bis hin zu Steinadlern. Etwas außerhalb des Dorfes wird die Schlucht von der Ponte del Diavolo (Teufelsbrücke) überspannt. Ihren Namen verdankt sie der Legende, dass die Brücke vom Teufel im Tausch gegen das Leben der ersten Seele gebaut wurde, die sie überqueren würde. Der Mann, der den Pakt mit dem Teufel schloss, schickte jedoch keinen Menschen, sondern ein Schaf.
Das Dörfchen Morano Calabro ist ein Juwel: An die Hänge des Monte Pollino geschmiegt, hat es selbst die Form eines Berges. Du wirst also ganz schön klettern müssen, bevor du den Aussichtspunkt Porta Ferrante erreichst. Wenn du ihn überhaupt findest, denn in diesem Labyrinth aus engen Gassen, steilen Treppen und schmalen Toren verliert man schnell die Orientierung. Auch von der alten normannischen Burg aus hast du einen herrlichen Blick über die roten Dächer des Dorfes und die Umgebung.
Rotonda ist das wichtigste Tor zum Nationalpark. Gleich außerhalb des alten Dorfes befindet sich das Ökomuseum, das umfassende Informationen über die Flora und Fauna, aber auch über die verschiedenen hier lebenden Bevölkerungsgruppen bietet. Von Rotonda aus führt ein schmaler, kurvenreicher Weg durch die Wälder zum Aussichtspunkt Belvedere del Malvento und zum Colle d’Impiso (1554 m). Dies ist der Ausgangspunkt für Bergwanderungen zu höheren Gipfeln wie dem Monte Pollino (2248 Meter) und der Serra del Prete (2181 Meter).
Der Nationalpark Pollino ist ein Paradies für Naturliebhaber und bietet jede Menge Möglichkeiten für aktive Unternehmungen. Neben Wandern und Mountainbiken kannst du dort Drachenfliegen, Bergsteigen und Wildwasser-Rafting betreiben. Vom wunderschönen Dorf Viggianello aus werden sogenannte Aquatrekking-Touren organisiert. Das ist eine Wanderung, bei der du gegen den Strom in Flüssen oder Bächen hinaufsteigst und das Waten durch das Wasser mit dem Wandern auf Pfaden abwechselst.
Auch die Umgebung des kleinen Dorfes Mormanno ist wunderschön, und man würde eigentlich nicht erwarten, dass die Autostrada del Mediterraneo (A2 nach Reggio Calabria) direkt daran vorbeiführt. Doch genau das ist der Fall, und über diese Straße gelangst du schnell zu deinem nächsten Ziel.
Wenn du von der A2 herkommst, wirkt Cosenza wie eine moderne Stadt, die keinen Besuch wert ist. Aber warte, bis du das „centro storico“ erreichst, das auf einem Hügel am Zusammenfluss zweier kleiner Flüsse, des Busento und des Crati, liegt. Mit etwas Glück kannst du direkt hinter der Brücke über den Busento parken, andernfalls kannst du den Mietwagen auf dem großen Parkplatz am Crati etwas weiter entfernt abstellen. Der englische Schriftsteller George Gissing fand das Wort „malerisch“ für die Stadt nicht ausreichend. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts schrieb er: „Bei jedem Schritt, vom Anfang der Hauptstraße am Fuße des Hügels bis hin zur strengen mittelalterlichen Burg, die dessen Spitze krönt, staunst du und bewunderst du.“ Seltsamerweise ist der älteste Teil der Stadt (noch) kein Zona á Trafico Limitato (ZTL), aber das Gebiet rund um die wichtigste Einkaufsstraße im neueren Teil ist es sehr wohl. Diese Einkaufsstraße ist voller moderner Kunstwerke und damit ein Freilichtmuseum.
Von Cosenza aus kannst du über die A2 in einer Stunde nach Lamezia Terme fahren, aber dann verpasst du den wunderschönen Parco Nazionale della Sila, der östlich dieser Autobahn liegt. Genau wie im Pollino gibt es im Park kaum oder gar keine öffentlichen Verkehrsmittel, daher ist ein Mietwagen ideal. Der Name leitet sich vom lateinischen Wort „Silva“ ab, was „Wald“ bedeutet. Das Gebiet ist daher dicht bewaldet und bekannt für die riesigen, über 300 Jahre alten Bäume im Riserva Giganti bei Camigliatello Silano. Im Winter ist dieser Ort ein Skigebiet. Auch die drei Stauseen im Park sind beliebt: Ganz in der Nähe des Besucherzentrums in Cupone liegt der Lago Cecita, bei Lorico kannst du Kanus mieten, um über den größten See, den Lago Arvo, zu paddeln, und der älteste Stausee ist der Lago Ampollino.
Über den ganzen Park verteilt findest du Wegweiser zu verschiedenen Wanderrouten, von ganz einfach bis ziemlich anspruchsvoll. So ist die Wanderung zum Wasserfall und zu den Stromschnellen des Flüsschchens Crocchio ganz einfach, aber die Wanderung durch die Schluchten der Valli Cupe, südlich von Sersale, erfordert etwas mehr Anstrengung. Nachdem du zum Grund hinabgestiegen bist, kannst du etwa vierhundert Meter in die Schlucht hineinlaufen.
Die meisten kennen Lamezia Terme nur vom Flughafen her, dem Tor zu den Stränden an der kalabrischen Küste. Obwohl die Stadt in einer wunderschönen Umgebung liegt, die du nur mit einem Mietwagen erkunden kannst, hat Lamezia selbst nicht so viel zu bieten. Mit einer Ausnahme: den Thermalbädern, die schon seit der Römerzeit für ihre heilende Wirkung bekannt sind. Und ein Bad in der heißen Quelle bei Terme di Caronte ist sogar kostenlos! Allerdings ist der Schwefelgehalt hoch, sodass du nach dem Bad nach einem faulen Ei riechst…
Die Küste südwestlich von Lamezia Terme, zwischen Pizzo und Nicotera, nennen die Italiener liebevoll „Costa degli Dei“, also die Küste der Götter. Und das versteht man, wenn man dorthin fährt: eine unglaublich schöne Landschaft, feine Sandstrände und azurblaues, klares Wasser. Von allen Badeorten an dieser Küste ist Tropea die unbestrittene Göttin. Das gut erhaltene historische Stadtzentrum liegt auf einer felsigen Landzunge hoch über dem weißen Sandstrand. Bei Sonnenuntergang färbt sich das klare türkisfarbene Wasser in leuchtende Violetttöne.
Mach mit deinem Mietwagen eine schöne Fahrt über die Küstenstraße SP22 in Richtung Südwesten. Im Städtchen San Nicolò folgst du den Schildern nach Capo Vaticano. Von diesem Kap an der südwestlichen Ecke des Promontorio di Tropea hast du einen atemberaubenden Blick über das Meer und auf die Vulkaninsel Stromboli. An einem ganz klaren Tag kannst du sogar Sizilien sehen.
Keine zwanzig Autokilometer östlich von Tropea findest du ein verstecktes Juwel Kalabriens, das dich in die Vergangenheit zurückversetzt. In Zungri zogen sich Mönche zurück, und es entstand ein kleines Dorf mit etwa hundert Höhlenwohnungen. Eine lange, aus Naturstein gehauene Treppe führt an den Ein- und Zweizimmerhäuschen vorbei. Die Wohnungen sind mit Fenstern, Bögen, Rauchabzugsöffnungen und unzähligen Nischen ausgestattet, die in die Innenwände gehauen wurden. Die Häuser in der „città di pietra“ (Steinstadt) sind gruppiert und durch ein Netz aus schmalen Gassen und Treppen miteinander verbunden. Außerdem gibt es ein ausgeklügeltes System aus Wasserkanälen und -reservoirs. Die natürlichen, weißen Mauern fügen sich nahtlos in die Umgebung ein und der Blick auf die umliegende Landschaft ist wunderschön.
Solltest du nach einem Besuch in Tropea noch mehr Lust auf Sonne, Meer und Strand haben, kannst du auf dem Rückweg nach Neapel einen Zwischenstopp in Scalea Marina oder Maratea einlegen. Scalea hat einen enorm langen und breiten Sandstrand, und entlang dieses Strandes gibt es eine Vielzahl von Hotels, Restaurants und anderen Einrichtungen, die ganz auf den Tourismus ausgerichtet sind. Im Sommer ist es dort sehr voll und große Teile des Strandes sind nur gegen Bezahlung zugänglich. Du kannst dir ein Kajak mieten, um zu einer oder mehreren der vier Meereshöhlen in der Umgebung zu paddeln. Das Centro Storico von Scalea liegt auf einem Hügel und ist ein kompliziertes Labyrinth aus Treppen und Gassen. Auffällig sind die „Suppuorti“, Holzböden, die über den Gassen errichtet wurden.
Maratea hat eine ganz andere Atmosphäre als Scalea. Das Städtchen versprüht das Flair eines Badeortes aus längst vergangenen Zeiten. Es gibt dort keinen einzigen langen Strand, sondern du kannst aus verschiedenen, kleineren Stränden wählen. Diese Buchten werden auf beiden Seiten von hohen Felsen begrenzt. Maratea ist auch als die Stadt der 44 Kirchen bekannt. Diese großen und kleinen Kirchen und Kapellen im historischen Zentrum sind abends wunderschön beleuchtet. Dass das Städtchen religiös ist (oder war), wird durch die riesige Christusstatue auf dem Gipfel des Monte San Biagio noch einmal unterstrichen. Von dort hast du einen Panoramablick über die Küste, der besonders bei Sonnenuntergang wunderschön ist. In den Sommermonaten kannst du nicht direkt beim Bildnis parken, sondern musst den Mietwagen ein paar hundert Meter weiter unten abstellen.
Nördlich von Maratea fährst du auf der SS18 direkt am Golf von Policastro entlang, einem der schönsten Abschnitte der tyrrhenischen Küste. Diese Straße kann es mit der viel stärker befahrenen SS168 entlang der Amalfiküste aufnehmen. Hinter Policastro Bussentino gelangst du in den Parco Nazionale di Cilento. Dank deines Mietwagens kannst du wunderschöne Ausflüge auf den Straßen durch dieses Naturschutzgebiet unternehmen, aber du kannst dort auch reiten, wandern, Rad fahren oder eine Bootsfahrt auf dem Stausee Alento machen. Einige Highlights in dieser Gegend sind die wunderschöne Schlucht „Gole del Galore“ bei Felitto, der Wasserfall „Capelli di Venere“ (Engelshaar) etwas außerhalb von Casaletto Spartano und die Meereshöhlen bei Capo Palinuro.
Bevor die Römer das heutige Italien eroberten, gab es entlang der südlichen Küsten viele griechische Kolonien (Apoikia). Vor etwa 2500 Jahren bauten die Griechen Tempel in einer Kolonie, die sie Poseidonia nannten und die die Römer später in Paestum umbenannten. Die drei dorischen Tempel dort gehören zu den am besten erhaltenen Überresten aus der griechischen Antike. Der älteste Tempel war Hera gewidmet, der Frau des obersten Gottes Zeus. Ein zweiter Tempel ist Athene gewidmet, der Göttin der Weisheit. Man nimmt an, dass der größte Tempel dem Meeresgott Poseidon gewidmet war, aber das ist nicht ganz sicher.
In der Umgebung dieser Tempel wurden allerlei Gegenstände gefunden, die im archäologischen Museum von Paestum ausgestellt sind. Das Prunkstück ist die „Tomba del Tuffatore“, ein Grabmal, dessen Innenseite unter anderem mit der Darstellung eines Mannes bemalt ist, der ins Wasser taucht. Ganz besonders ist, dass die Farben dieser Malereien noch immer sehr leuchtend sind.
Und dann: der Höhepunkt jeder Reise durch diesen Teil Italiens. Oder doch nicht? Ehrlich gesagt waren wir uns unsicher, ob wir die Amalfiküste in diesen Roadtrip aufnehmen sollten. Die fünfzig Kilometer lange Küste ist atemberaubend schön und steht deshalb auf der Bucket-List vieler Leute. Gleichzeitig zieht diese Route mittlerweile so viele Touristen an, dass man sich fragen kann, ob es da noch Spaß macht. Tatsache ist, dass die örtlichen Behörden Maßnahmen ergriffen haben, um die Anzahl der Autos zu begrenzen.
Während der Osterwoche, an den Wochenenden im Juni, Juli und September sowie jeden Tag im August dürfen an geraden Tagen nur (Miet-)Autos mit einem Kennzeichen fahren, das auf eine gerade Zahl endet. An ungeraden Tagen dürfen Autos mit Kennzeichen, die auf eine ungerade Zahl enden, die Straße befahren. Diese Beschränkung gilt von 10:00 bis 18:00 Uhr auf der SS163 zwischen Positano und Vietri sul Mare. Auf der Straße zwischen Sorrento und Vico Equense (SS145) gelten diese Regeln sogar von 08:00 bis 19:00 Uhr.
Denk daran, dass – vor allem in den Sommermonaten – jeder um einen Platz auf der schmalen und kurvenreichen Straße kämpft: Autos, Roller, große Linienbusse, Fahrräder und auch Fußgänger. All das macht die Strecke herausfordernd, stressig und anstrengend. Als Fahrer musst du ständig aufmerksam sein. Außerdem ist es zu Stoßzeiten schwierig, einen Parkplatz für deinen Mietwagen zu finden.
Die Strecke zieht viele Touristen an, da sie durch eine beeindruckende Landschaft führt. Aber während dieses Roadtrips durch Süditalien hast du schon so viel Schönes gesehen. Du kannst dich fragen, ob du noch eine weitere schöne, aber auch stressige Strecke hinzufügen möchtest. Wenn du die Amalfiküste trotzdem sehen willst, empfehlen wir dir, die Strecke im April oder Mai zu fahren, wenn dort noch nicht so viel los ist.
Abgesehen von der überlaufenen Amalfiküste brauchst du unbedingt einen Mietwagen, wenn du den Süden Italiens erkunden willst. Zwar gibt es ein gutes Zugnetz, aber die Züge halten nur an den wichtigsten Orten. Und es macht doch gerade Spaß, ganz selbst zu entscheiden, wohin du fahren möchtest. Miete dir also ein Auto, denn im Süden Italiens gibt es unzählige ruhige Nebenstraßen, auf denen du herrlich entspannt fahren kannst. Selbst auf Bergstraßen ist meist wenig Verkehr, sodass du dich nicht gehetzt fühlen musst.
Welche Versicherung sollte ich wählen und was hat es mit der Kaution auf sich? Lesen Sie unsere Artikel mit nützlichen Informationen und Tipps, um sicherzustellen, dass Sie sich für den richtigen Mietwagen entscheiden.